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11.02.10 +++ Die Religion - meine Eröffnung

Unter diesem Titel wurde vor einigen Monaten in einem Schachforum diskutiert, weshalb manche Schachspieler bestimmte Eröffnungen innig lieben und spielen, während zu anderen Eröffnungen ein eher nüchternes Verhältnis besteht. Ich hatte mich seinerzeit mit einem Beitrag beteiligt, der neben dem Spiel im Internet auf Erfahrungen aus unserem Verein beruht. Daher stelle ich meinen Beitrag in leicht überarbeiteter Form hier ein:

 

Zum Wesen einer Religion gehört, dass Glaubenssätze ohne empirischen Beweis – oder sogar entgegen wissenschaftlicher Erkenntnis – als unumstößliche und gottgegebene Wahrheit gelten. Entsprechend glauben manche Schachspieler an die Qualität bestimmter Eröffnungen, selbst wenn Theorie und Statistik gegen diese Eröffnung sprechen.

 

 

Ein Grund hierfür mag sein, dass manche Eröffnungen ideal auf einen bestimmten Spielstil zugeschnitten sind. Wer diesen Stil mag wird solche Eröffnungen sehr gerne spielen. Es lohnt also, einen Blick auf die jeweiligen Spielertypen zu werfen, zumal mir zu einer eröffnungstheoretischen Abhandlung ohnehin das erforderliche Schachwissen fehlt. Hier also meine vorläufige und sicherlich nicht abschließende Liste wichtiger Spielertypen bzw. Glaubensgemeinschaften im Schach.

Strukturisten
Am liebsten würden sie nur mit dem eigenen Figurensatz spielen. Der Aufbau der Figuren gleicht einer kultischen Handlung, die tunlichst ungestört vollzogen werden muß. Daher ignoriert der Strukturist nach Möglichkeit Züge des Gegners, bis sein Aufbau vollzogen ist. Je länger dies dauert, umso größer die Freude an der Partie. Weiße Strukturisten spielen gern Colle, Trompowski, königsindischen Angriff oder gar englische Systeme mit Doppelfianchetto. Schwarze Strukturisten sind seltener, jedoch bei Nimzoindisch-, Schwesnikow- und Philidor-Spielern aufzufinden. Es ergeben sich fließende Übergänge zum Opus Fianchetto.

Opus Fianchetto
Die Jünger dieser Sekte haben als religiöses Oberhaupt den Läufer auf der f-Linie erwählt, im englischen treffend „Bishop“ genannt. Mitglieder von Opus Fianchetto würden den Figurensatz am liebsten bereits mit Fianchettostellung aufbauen. Mit Weiß spielt man gerne Englisch oder Katalanisch, mit Schwarz selbstverständlich Königsindisch und Drachen, sofern nicht direkt 1...g6 gezogen wird.

Gambiteraner
Dem zumeist weißen Gambiteraner ist der Anzugsvorteil so unheimlich, dass er ihn möglichst schnell durch Rückgabe von mehr oder weniger Material zu kompensieren sucht. Königsgambit oder Blackmar-Diemer-Gambit sind probate Mittel, ebenso das Morra-Gambit. Je mafiöser die Eröffnung ist (Angebote, die man nicht ablehnen kann...), desto attraktiver wird der jeweilige Kult. Höhepunkt der kultischen Handlung ist das Opfer selbst, der Nachweis der Kompensation ist zweitrangig.

Agnostiker
Seine Welt bricht zusammen, sollte er nach einer ernsten Partie die gespielte Zugfolge nach dem 4. Zug in einer Datenbank auffinden. Mit Zügen wie 1.a3 2.Sh3 3.g4 4.Sf4 und 5.c3 ist die Wahrscheinlichkeit hierfür zum Glück gering. Ein Zug mag logisch und vernünftig sein, er ist aber Theorie und damit des Teufels. Tragischerweise erkennt mancher Agnostiker erst nach Jahren, dass er im Streben nach theoriefreiem Spiel in systematisches und damit theoretisches Spiel verfallen ist. Wer beim Blitzen im Internet stundenlang 1.g4, 1.f3, 1.b4 oder ähnliches auf dem Brett hatte versteht, was ich meine.

Enzyklopedale
Zumeist ist er unter gutsituierten Schachspielern anzutreffen. Kein Wunder, braucht man doch für die gesammelte Königsindisch-, Najdorf- und Spanisch-Literatur 5 Meter Massivholz-Regal und einen Hochleistungsrechner, um die zugehörigen Datenbanken und DVDs angemessen unterzubringen. Es ist immer wieder eine besondere Freude, eine Partie mit dem Enzyklopedalen zu analysieren. Unverzeihlich, dass man die seit dem U7-Turnier in Kalmückien vor vier Monaten bekannte Feinheit der Neuerung im 23. Zug nicht kennt! Der gespielte nicht theoretische und damit per se minderwertige Zug führt wohl zu eindeutigem Eröffnungsvorteil (+0,32 laut Fritz17, +0,34 laut Rybka, Fritz18 sieht sogar +0,37!). Sicherlich hätte der Enzyklopedale diesen Eröffnungsvorteil zum vollen Punkt verwandelt, wäre er nicht drei Züge später stumpf in eine Bauerngabel gelaufen, aber wen interessiert das schon? Den Enzyklopedalen jedenfalls nicht.

Freimaurer
Ihre Eröffnungen lassen sich nicht einordnen, dazu gibt es zu viele Logen. Prägend für die einzelnen Logen sind natürlich nicht die einfachen Mitglieder, sondern ihr jeweiliger Großmeister. Spielt dieser eine neue Eröffnungsvariante, ist sein Zug dem Freimaurer Befehl. Die Qualität des Zuges wird überzeugend und abschließend damit begründet, dass z.B. Tal, Karpow oder Carlsen diesen Zug auch gespielt hat. Mit welchem Ergebnis und mit welchem Alkoholpegel dies geschah ist vollkommen irrelevant.

Protestant
Eröffnungen sind ihm zuwider. Im Gegensatz zum Agnostiker sucht der Protestant nicht die vollständige Flucht aus der Theorie sondern eine möglichst kleine heimelige Nische, in die er sich zurückziehen kann. Wenn man die Wiener Partie oder einen königsindischen Angriff mit Weiß spielt, sollte man vor Überraschungen erst mal sicher sein. Mit Schwarz kann man mit Caro-Kann oder Pirc auch nicht viel falsch machen. Es ergeben sich fließende Übergänge zum Strukturisten.

 

Solitarier
Eine flüchtige, aber sportlich gefährliche Gegnerschaft im Schach, länger als 3 Minuten dauert die Bekanntschaft zumeist nicht, da Partien mit längerer Bedenkzeit oder ein Duell mit vielen Partien den Solitarier nicht reizen. Dort kommen seine Spezialkenntnisse und Eröffnungsfallen nicht mehr zum tragen, denen viele stärkere Gegner zunächst erliegen, bevor sie nach 10 Sekunden Nachdenken die unschematische, aber richtige Widerlegung des Tricks finden. Das Kieler Gambit, Cochrane-Gambit und andere Mogeleien finden sich in seinem Eröffnungsrepertoire.

 

 

 

Felix Eickenbusch


 

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